Paris, Guillaume de Luyne, Claude Barbin, Pierre Tribouillet, 1663, 1665 und 1666.
In-12, vollbraunes Granitkälberleder, goldene Wappen in der Mitte der Deckel, Rücken mit erhabenen Bändern verziert, minimale Restaurierungen, dekorierte Schnittkanten, rote Schnitt. Wappenbindung der Epoche.
140 x 82 mm.
« Nach dem Erfolg der Aufführungen von Molière und dem schnellen Erfolg der einzeln gedruckten Stücke im Publikum war zu erwarten, dass eine allgemeine Sammlung seiner Komödien, mit oder ohne Zustimmung des Autors, veröffentlicht würde.
Zwei Möglichkeiten boten sich den Herausgebern. Die erste, die vernünftigste, war es, eine Gesamtausgabe mit oder ohne die Zustimmung von Molière zu erstellen, eine Edition mit fortlaufender Seitennummerierung, mit einem Zwischentitel für jedes Stück und einem allgemeinen Titel für das gesamte Werk.
Im Gegensatz dazu bestand das zweite, viel einfachere Verfahren darin, die bereits gedruckten Stücke zusammenzubinden und dem Ganzen oder nicht einen allgemeinen Titel voranzustellen, entweder auf der Rückseite oder auf einem gesonderten Blatt, mit der Liste der in dem Werk enthaltenen Komödien.
Natürlich handelte es sich in diesem Fall nicht mehr um eine fortlaufende Paginierung. Die Stücke existierten bereits zu ihren jeweils eigenen Daten in der Sammlung, mit dem Namen ihrer Drucker » (A. J. Guibert. Molière CNRS – Erste Versuche von Gesamtausgaben).
Zu der Zeit wurden die folgenden fünf Stücke zusammengefasst und gebunden:
I- L’Escole des maris, Komödie, von I.-B. P. Molière auf dem Théâtre du Palais Royal aufgeführt.
Paris, bei Guillaume de Luyne, 1663.
In-12 von (5) Bl. (Frontispiz, Titel, Widmung, Figuren), 65 S. und (3) S., (2) Bl. leer.
Zweite Originalausgabe, die die Originalausgabe von 1661 reproduziert.
Paul Lacroix erwähnt sie ebenfalls unter dem Datum von 1664; sie wurde unter den Buchhändlern, welche die Konzession von 1661 innehatten, geteilt.
Von seltener Vollständigkeit der beiden letzten leeren Blätter in aufwendiger zeitgenössischer Bindung.
II- Les Fascheux, Komödie von I.-B. P. Molière, auf dem Théâtre du Palais Royal aufgeführt.
Paris, [Guillaume de Luyne], 1663.
In-12 von 82 S., (1) S., (1) S. leer.
Seltene Edition aus Grenoble, im Jahr nach dem Original gedruckt.
III- L’Escole des femmes, Komödie. Von I.-B. P. Molière.
Paris, Claude Barbin, 1665.
In-12 von (6) Bl. einschließlich einer Figur und 95 S.
Zweite Ausgabe, die exakt die Originalausgabe reproduziert. Die Ausgabe ist mit dem wertvollen Frontispiz von François Chauveau geschmückt, das das älteste Porträt von Molière darstellt. Sie kann als „zweite Originalausgabe“ bezeichnet werden.
Von seltener Vollständigkeit in zeitgenössischer kunstvoller Bindung.
IV- La Critique de L’Escole des femmes, Komödie. Von I.-B. P. Molière.
Paris, bei Claude Barbin, 1663.
In-12 von (5) Bl. (Titel, Widmung, Privileg und Figur), 117 S. und (1) Bl. leer.
Originalausgabe. Das Privileg ist auf den 10. Juni 1663 datiert und der Druckabschluss auf den 7. August 1663.
Die Ausgabe wurde zwischen Claude Barbin, Charles de Sercy, Thomas Joly, Guill. De Luyne, Louis Billaine, Et. Loyson, Jean Guignard und Gabriel Guinet geteilt.
Von seltener Vollständigkeit mit dem letzten erhaltenen leeren Blatt in zeitgenössischer kunstvoller Bindung.
V- L’Amour médecin. Komödie. Von I.-B. P. Molière.
Paris, bei Pierre Trabouillet, 1666. Mit den königlichen Privilegien.
In-12 von (6) Bl., davon 1 graviertes Frontispiz und 95 S., die letzte aus Versehen als 59 nummeriert.
Originalausgabe.
Das Privileg datiert vom 30. Dezember 1665 und der Druckabschluss vom 15. Januar 1666.
Die Ausgabe wurde zwischen Pierre Trabouillet, Nicolas le Gras und Th. Girard geteilt.
Ce type de recueil en reliure armoriée de l’époque est de la plus insigne rareté dans les bibliothèques de grands classiques du XVIIe siècle. La plupart des éditions originales ou rares des pièces de Molière ont été reliées par les grands maîtres du XIXe Jahrhunderts gebunden.
Sehr seltene Exemplare in privater Hand sind bis heute in ihrer nicht kunstvoll gebundenen zeitgenössischen Einbandart erhalten geblieben: Pergament, Kalbs- oder Maroquinleder. So besaß Jacques Guérin nur ein einziges Sammelexemplar der Œuvres von Molière von 1673, gebunden in 8 Bänden in-12, rotes unembossed Einbandleder der Zeit mit 7 Originalausgabenstücken, verkauft für 2.100.000 FF (320.000 €) vor fast 30 Jahren, ein beträchtlicher Preis damals. (Referenz: Bibl. J. Guérin. Livres exceptionnels, Paris 29. November 1988, Nr. 23).
Le présent exemplaire est l’un des seuls connu conservé dans sa reliure armoriée de l’époque attribuée à une demoiselle Cauchon dont la famille comptait au XVIIe Jahrhundert eine Äbtissin zählte.